Ein soziales Netzwerk, für das man bezahlen soll?

War man es anfangs nur von Facebook gewohnt, mit obskuren Möglichkeiten der Geldgewinnung und immer weiter zunehmenden Einschränkungen belästigt zu werden, zieht nun mittlerweile auch das Vorbild-Netzwerk Twitter nach und versucht – natürlich völlig verständlich – an eine vernünftige Monetarisierung seiner Dienste zu kommen. Dem wäre prinzipiell nichts entgegenzusetzen – aber der doch sehr drastische Schritt, Drittsoftware mehr oder weniger nach und nach auszuschließen, geht dann doch zu weit. Man darf an dieser Stelle nicht vergessen, dass erst die die frühe Verfügbarkeit der Twitter API und somit die massive Zahl der vorhandenen Clients dessen Aufstieg ermöglicht haben bzw. soweit begünstigt haben, dass die Userzahlen rasant steigen. Ich persönlich würde nie die Twitter Website als Haupt-Client verwenden, wenn es nach Twitter selbst geht, wäre das allerdings der gewünschte Normalfall.

Aber ich will gar nicht so sehr bei Twitter selbst hängen bleiben, denn über das Wochenende hat sich ein neuer Stern am Horizont gezeigt – kurz und schmerzlos App.net genannt. Man könnte meinen, es gibt bereits genügend Twitter Kopien bzw. alternative Soziale Netzwerke, und doch besteht ein kleiner aber feiner Unterschied: App.net kostet Geld, verspricht dafür aber absolute Werbefreiheit und, das kann man allerdings sehr leicht behaupten, dass die User und die Entwickler im Mittelpunkt der Interessenverteilung stehen. Für $50 im Jahr ist man dabei, was dann ca. $4,17 im Monat macht.

Ich muss sagen, dass, so simpel die Idee auch ist, ich es nicht für möglich gehalten hätte, dass man so einfach eine Vielzahl der Probleme heutiger sozialer Netzwerke umgehen kann. Meine Annahmen gehen an dieser Stelle allerdings davon aus, dass Dalton Caldwell, der Gründer von App.net, so ehrenwert ist, wie er behauptet und sein Wort zwecks Werbefreiheit sowie Userfreundlichkeit hält.

Die beiden größten Vorteile dieses bezahlten Netzwerkes sind für mich, dass ich nicht ständig dieses ungute Gefühl bei der Benutzung verspüren müsste und, das ist wirklich gut, die Nutzerzahlen massiv geschrumpft und somit auf die Leute reduziert werden, die wirklich Interesse an der Verwendung des Netzwerkes hätten. Rein als Bauchgefühl würde ich mal behaupten, dass 70-80% meiner Freunde bei Facebook reine Stalker sind – sprich, selbst nie Beiträge verfassen und noch nicht einmal Kommentare oder Likes abgeben, mich aber dann doch ab und zu auf Postings von mir ansprechen. Ich finde dieses Verhalten äußerst ungünstig, da es den Grundgedanken des sozialen Netzwerkes völlig zuwider läuft. Gepaart mit ziemlich komischen Vorstellungen von Datenschutz ergibt das ziemlich viele Karteileichen in den verschiedensten Netzwerken, für deren Daten trotzdem entsprechende Ressourcen bereit stehen müssen – was die Kosten für derartige Netzwerke nach oben treibt. Diese Leute wären allerdings in den seltensten Fällen bereit, für ein soziales Netzwerk Geld auszugeben und würden somit automatisch herausgefiltert werden.

Die restlichen Benefits sind für den normalen User auf den ersten Blick vielleicht nicht so relevant, auf lange Sicht gesehen aber schon. Die starke Unterstützung von Entwicklern z.B. ermöglicht eine ähnlich Hohe Dichte und Möglichkeit an Clients, wie man es bereits von Twitter gewohnt ist. Und das wäre essenziell für die Ausbreitung eines solchen Netzwerkes.

Das Interesse an einem derartigen Service besteht, wurde mit der sehr schnellen Grundfinanzierung des Dienstes im Kickstarter-Stil bewiesen: innerhalb weniger Tage haben über 12000 Leute eine Summe von $793,550 investiert.

Allerdings sehe ich für mich persönlich ein Problem: Nur ein minimaler Teil meiner Internet-Freunde wäre bereit, zunächst überhaupt mal auf ein anderes Netzwerk umzusteigen, geschweige denn, dann auch noch Geld dafür zu bezahlen. Ist letzteres vielleicht noch per intensiver Diskussion aus der Welt zu schaffen, wird es wohl ungleich schwerer, sinnvolle Gründe für den Wegzug z.B. aus Facebook zu erreichen. Selbst mit Google+, welches ein meiner Meinung nach mittlerweile besseres Netzwerk als Facebook ist, bekommt man die Leute nicht überredet, dorthin umzuziehen…

Wie sieht es bei euch aus? Seid ihr bereit, für ein soziales Netzwerk Geld auszugeben, wenn es dafür werbefrei und möglichst im Sinne des Users aufgebaut ist?

Ein Tag im Leben des Netzmenschen

Mein Tag beginnt mit dem Klingeln des Weckers – ausnahmsweise handelt es sich hierbei um einen normalen digitalen Wecker und nicht mein Handy. Zu dem greife ich aber direkt danach, befreie es aus dem Flugmodus und warte gebannt ein paar Sekunden, bis die ersten Emails eintreffen. Nachdem diese gelesen bzw. sortiert sind, wird die Facebook sowie Twitter Timeline gecheckt. Danach gibt es noch einen kurzen Blick auf Spiegel Online.

Nach dem Gang ins Bad und dem Anziehen laufe ich zum Bahnhof – eine Strecke von ca. 20 Minuten, die natürlich von einem Podcast begleitet wird. Mit dem Zug brauche ich ca. 45 Minuten bis in die Stadt – und was mache ich? Tethering an, Macbook aufgeklappt, arbeiten. Und das kann das Verfassen von Blogbeiträgen, Bearbeiten von Fotos oder das Programmieren für Nebenprojekte sein. Im Büro angekommen werden nochmal kurz die Kommunikationskanäle gecheckt, denn es könnte ja nun etwas passiert sein.

Meine Arbeit als Softwareentwickler findet ohnehin den ganzen Tag am Rechner statt. Zwischendurch werden immer mal wieder die verschiedenen Newsportale überflogen um auch zu wissen, was so in der Welt los ist. Auf dem Heimweg läuft meist wieder ein Podcast oder ich höre Musik und lese dabei die neuesten Beiträge im Feedreader.

Zu Hause angekommen gönne ich mir ab und zu ein paar Runden Call of Duty (natürlich online im Multiplayer-Modus), oder schaue mit meiner Frau ein bisschen in den Fernseher – natürlich Video on Demand.

Falls mir zwischendurch einfällt, was wir noch einkaufen müssen, erstelle ich einen entsprechenden Eintrag in der Wunderlist Todo-App, welche mit dem iPhone meiner Frau synchronisiert wird. Für Kalendereinträge bzw. Terminplanung gilt das natürlich auch. Und sie kann das gleiche tun.

Die letzte Handlung vor dem Ausschalten meiner Nachttischlampe ist ein weiterer Blick in die Mailbox und die sonstigen Kommunikationswege, dann wird der Flugmodus aktiviert und das Licht geht aus.

So – in Kurzform könnte man so einen normalen Tag in meinem Leben beschreiben. Ich zähle damit zu 500.000 Menschen in Deutschland, die laut dem deutschen Gesundheitsministerium und der deutschen Drogenbeauftragten akkut Internetsüchtig sind.

Ich sehe mich einfach als äußerst technikaffinen Menschen, der die Möglichkeiten unserer Zeit nutzt. Mein iPhone ist mein ständiger Begleiter, ich langweile mich praktisch nie, bin ständig dabei, mich weiter zu bilden. Was soll daran bitte verkehrt sein? Ich weiß, dass Menschen, die einer Sucht unterliegen, dies nie selbst zugeben würden. Ich hätte auch sicher Probleme, wenn es plötzlich kein Internet und keine Smartphones mehr geben würde.

Aber ist die Kehrseite einer Sucht nicht auch, dass man seiner Gesundheit schadet und dies billigend in Kauf nimmt? Sicher könnte ich mich etwas mehr bewegen, aber selbst währenddessen könnte ich einen Podcast hören und es würde mir nicht zum Schaden sein. Die Sucht als solche mag vorhanden sein, sie schadet mir aber nicht direkt wie z.B. der Konsum von Zigaretten, Alkohol oder Spielesucht, bei der man jeglichen Kontakt zur Außenwelt bzw. sein Geld verliert.

Und ich würde sagen, dass genau das Gegenteil der Fall ist. Ich bin weitaus kommunikativer als so mancher meiner Altersgenossen, habe Kontakt zu meinen Freunden in der fernen Heimat, kann mich mit mir fremden Leuten über Gott und die Welt unterhalten, kann ständig neue Dinge lernen, weiß eher über Dinge Bescheid als der Großteil der deutschen Bevölkerung – denn die lesen es erst morgen in ihrer Zeitung.

Ich finde, dass wenn unsere lieben Internetausdrucker solche Studien in Arbeit geben, sollten sie sich vielleicht vorher Gedanken machen, worauf sie eigentlich hinaus wollen. Auch ohne eine Studie hätte ich vorraussagen können, dass gerade Jugendliche wesentlich mehr als 3-4 Stunden am Tag online sind. Es gehört, zumindest meiner Meinung nach, zu unserer Gesellschaft dazu. Und auch wenn es einigen Leuten Angst macht: es ist gut so. Und man bekommt keine 4-eckigen Augen davon 😉

Was sagt ihr dazu?

Das Internet der Dinge – eine Infografik

Das Internet der Dinge wird nun schon sehr lange angekündigt und sagt nichts anderes aus, als das so ziemlich jedes Gerät – wie z.B. die Waschmaschine, der Kühlschrank oder das Auto – ständig mit dem Internet verbunden und somit leichter zu verwalten ist.

Ehrlich gesagt habe ich nicht das Gefühl, dass wir diesem Ziel schon SO viel näher gekommen sind, aber diese tolle Infografik zeigt die Realität – und in der sind wir wohl doch viel näher dran, als gedacht.

Eine Infografik von Cisco, gefunden via gigaom.com