[Test] Sigma 120-300mm f2.8 DG OS HSM

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Anmerkung: das für dieses Review verwendete Objektiv wurde mir von Sigma auf Nachfrage kostenlos für zwei Wochen zur Verfügung gestellt.

Das neue Jahr beginnt gleich mit einem weiteren Hardwaretest – und zwar mit der Hassliebe Sigma 120-300mm f2.8 DG OS HSM aus der neuen Sigma Reihe S für “Sports”. Ja, Hassliebe klingt an der Stelle hart, aber ich kann es nicht besser in Worte fassen: dieses Objektiv hat eine so geile Qualität und Optik, dass es mich bei jedem Bild umhaut. Es ist meiner Meinung nach kaum möglich, damit ein “schlechtes” Bild zu machen. Als sehr großer und im wahrsten Sinne des Wortes “gewichtiger” Gegenpart kommt aber die Größe und Masse ins Spiel. Mit ca. 3,5 Kg Eigengewicht hat man hier ziemlich heftig zu schleppen und ohne ordentliche Oberarme muss man sich sehr abmühen, das Objektiv oben zu halten. Doch kommen wir zu den Details.

Wie der Name der Reihe bereits andeutet, ist dieses Objektiv primär für Sportfotografie gedacht. Da ich in diesem Gebiet überhaupt nicht unterwegs bin, habe ich es einfach in meinen üblichen Bildstil eingebaut: Street Fotografie – der denkbar ungünstigste Ansatz, das Teil zu verwenden. Aber was soll ich sagen: die Optik ist der Hammer! Es stimmt einfach alles, was stimmen muss: Brennweite, Blende, Haptik und natürlich der Bildcharakter.

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Aus Sicht der Technik ist das 120-300 ordentlich ausgerüstet: die durchgängige Offenblende von 2.8 sorgt fast immer für genügend Licht und – das ist leider nicht immer der Standard – ist bei der Offenblende bereits knackscharf! Durch die 9 Lamellen der Blende bekommt man bereits ein sehr gut abgerundetes Bokeh – womit man aber noch lange nicht an die Optik der 15 Blendenlamellen eines alten Meyer Görlitz Objektives heran kommt. Es ist eigentlich schade, dass derartige Merkmale heutzutage nicht mehr verbaut werden. Aber das ist jetzt wirklich Jammern auf hohem Niveau, denn das Bokeh ist wie gesagt ziemlich rund und bildet keine Waben, wie man sie von günstigeren Objektiven kennt.

Der eingebaute Bildstabilisator arbeitet extrem gut, sodass selbst bei wenig Licht freihändige Aufnahmen möglich sind. Der Stabilisator beherrscht dabei zwei verschiedene Modi: vollständige Stabilisierung oder vertikale Stabilisierung. Letztere ist für Aufnahmen gedacht, bei denen man “mitzieht” – also z.b. ein Auto in voller Fahrt aufnimmt und dabei die Kamera schwenkt.

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Wie in derartigen Brennweiten-Dimensionen üblich, gibt es auch beim 120-300er einen Schalter, mit dem man den Autofokus Bereich beeinflussen kann – also ob man Objekte die näher oder weiter als 10m entfernt sind scharfstellen oder den kompletten Bereich abdecken möchte. Mit dieser Einstellung kann man den Fokus deutlich beschleunigen. Da ich selten vorher weiß, was ich gleich aufnehmen werde, kam für mich nur der komplette Bereich in Frage. Aber auch hier war der Autofokus flott und vor allem sehr zuverlässig!

Wie bereits von der “Art” Reihe her bekannt, wird auch bei diesem Objektiv sehr viel wert auf Qualität gelegt. Objektive dieser Reihen sind nicht mal ansatzweise mit den sonst üblichen Sigma Optiken, welche öfter einen etwas “günstigeren” Touch haben, vergleichbar. Das komplette Objektiv ist von massivem, in schwarz-matt gehaltenem Metall (vermutlich Alu) umfasst. Selbst die Gegenlichtblende ist aus dem gleichen Material und nicht aus Plastik. Richtig massig ist das verbaute Glas – insgesamt 23 Elemente in 18 Gruppen – welches an der Front einen Durchmesser von über 10 cm aufweist. Der Filterdurchmesser beträgt 105mm.

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Im Lieferumfang ist enthalten: das Objektiv, ein stabiler Köcher für den sicheren Transport, die Gegenlichtblende sowie eine Trageschlaufe, die am Objektiv fest gemacht wird. Die Schlaufe könnte etwas länger sein, ist aber sehr hilfreich für längere Spaziergänge.

Für den Test habe ich das Objektiv durchgängig an der Canon EOS 6D, also an einer Vollformat Kamera, betrieben.

Fazit
Es gibt Momente, da hasse ich die Physik – es ist derzeit leider nicht möglich, derartige Brennweiten mit entsprechend offener Blende in der Größe eines “normalen” Objektives zu realisieren. Kombiniert man das ganze noch mit hochwertigen Materialien und möchte man am Ende noch ein möglichst gleichmäßiges bzw. fehlerfreies Bild erhalten, muss ein Objektiv derartige Ausmaße annehmen. Und das ist sehr schade, denn es wäre ideal für die Street Fotografie. Aber auch für unzählige andere Zwecke.

Dieser grobe Nachteil wird aber mit einer überragenden Qualität aufgehoben. Ich habe erst im letzten Jahr entdeckt, dass nicht nur die rein technischen Werte eines Objektives entscheidend sind, sondern dessen optischer Stil. Jedes 50mm Objektiv mit 2.8er Blende beispielsweise wird unterschiedliche Bilder hervorbringen. Und so ist es auch hier: das 120-300 hat einen wunderbaren und ziemlich einzigartigen Bildcharakter. Es macht einfach unheimlich Spaß, damit zu fotografieren. Punkt.

PS: Das Objektiv kostet derzeit ca. 3000€ auf Amazon, liegt also knapp 1000€ unter der unverbindlichen Preisempfehlung des Herstellers.

Und hier noch ein paar Aufnahmen, die ich mit diesem wunderbaren Teil machen konnte:
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3 Kommentare

  1. Otto Hendrik

    Danke für die Rezension und die super Bilder! Hach, ich hätte diese Linse schon gerne. Ich würde sogar das Gewicht in Kauf nehmen (Workout ;). Aber ein bisschen sparen muss ich noch.

  2. Heinrich Bischoff

    Ich habe das Objektiv ganz kurz auf einer Veranstaltung testen können und war beeindruckt. Was mir aber bis heute noch niemand sagen und ich auch nicht testen konnte ist:

    Wie schnell ist der Autofokus bei sich bewegenden Motiven?

    Das Teil trägt den Zusatz “S”. Wenn ich jetz mit meiner 1D MkIV 10 Bilder/Sekunden bei z.B. Autorennen fotografiere kommt der Autofokus noch mit? Selbst Sigma konnte mir da keine Antwort geben. Wer hat hier bereits Erfahrung?

    Der Preis ist im Vergleich zu Original-Objektiven absolut interessant, aber nur dann wenn das Objektiv auch seine Aufgabe erfüllt.

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